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Wer sich den teureren Anwalt leisten kann, gewinnt automatisch

So sollte es eigentlich nicht sein.

Grundsätzlich sind – innerhalb gewisser gesetzlicher Rahmen – Rechtsanwalt und Klient frei, über die Höhe des Anwaltshonorars ein Einvernehmen zu erzielen. Lediglich gegenüber dem Gegner in einem gerichtlichen Zivilverfahren gibt es klare gesetzliche Regelungen, wie viel verlangt wer­den darf.

Die Aussage, man könne quasi mit Geld den Prozesserfolg kaufen, hat oft den Hinter­grund in der Berichterstattung über US-amerikanische Gerichtsverfahren oder oft auch nur in ameri­kanischen Fernsehserien.

In den USA ist es üblich, dass das Anwaltshonorar in der Hälfte (oder mehr) des erstrittenen Be­trages besteht. Das bedeutet, dass der Anwalt für den Fall des Obsiegens ein sehr hohes Hono­rar erhält, während er für den Fall des Unterliegens nichts bekommt. Abgesehen davon, dass eine solche Regelung ja nur für gerichtliche Verfahren gilt (das Gros der anwaltlichen Tätigkeit aber in der Beratung, Vertragserstellung und dergleichen liegt), ist ein solches „an sich Lösen der Streit­sache“ in Österreich ausdrücklich verboten. Auch wenn obige Regelung auf den ersten Blick vor­teilhaft erscheinen mag, so ist doch zu bedenken: Auch für den Fall des Prozesserfolges ist die Hälfte der eingeklagten Forderung an den eigenen Anwalt zu bezahlen. Und andererseits verschwimmen die Grenzen zwischen der Rolle des Anwalts als Berater und Interessenvertreter einerseits und dem Eigeninte­resse des Anwalts an seinem Honorar andererseits. Mit anderen Worten: Es besteht Gefahr, dass der Rechtsanwalt zunehmend sein eigenes Inte­resse wahrnimmt und nicht das seines Mandanten.

Aber nichtsdestotrotz gilt auch für Anwälte dasselbe wie für andere Freiberufler oder Wirtschafts­treibende: Für qualitativ hochwertige Leistung darf mehr verlangt werden und wird auch mehr gezahlt.