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Ich verlange ein Trennungsjahr

Wenngleich das österreichische Ehegesetz reichsdeutschen Ursprungs ist, hat nicht jede deut­sche Regelung Eingang in die österreichische Rechtsordnung gefunden. Abgesehen davon, dass das deutsche Eherecht tiefgreifend reformiert wurde, ist es in Deutschland in der Tat so, dass in der Regel eine Trennungszeit von mindestens einem Jahr als gesetzliche Voraussetzung für eine Scheidung der Ehe angesehen wird (§ 1565 BGB). Diese Einjahresfrist ist in Deutschland sowohl für eine einvernehmliche Scheidung, als auch für eine nicht einvernehmliche Scheidung bei einer Trennungszeit von weniger als 3 Jahren von Relevanz.

In Österreich sieht die rechtliche Situation anders aus:

Zum einen kann eine Scheidung aufgrund eines die Ehe zerstörenden Verhaltens des anderen Ehepartners jederzeit eingebracht werden, ohne dass hiefür bestimmte Fristen zu beachten wä­ren (abgesehen von der sechsmonatigen Frist, bei deren fruchtlosen Versteichen ohne Erhebung einer Ehescheidungsklage die Eheverfehlung als verziehen angesehen wird).

Bei einer Scheidung im Einvernehmen wird vom Gesetz gefordert, dass die Ehe mehr als 6 Mo­nate unheilbar zerrüttet ist. Der Umstand der unheilbaren Zerrüttung stellt nicht auf eine räumliche Trennung der Ehepartner ab, sondern auf den Entschluss der Ehepartner, die Ehe als gescheitert anzusehen und diese nicht mehr fortsetzen zu wollen. Die Einhaltung dieser sechsmonatigen Frist kann vom Gericht – da beide Ehepartner bei der Ehescheidungsverhandlung ja deren Versteichen und das Scheitern der Ehe zugestehen – de facto gar nicht überprüft werden und spielt daher deren Einhaltung keine Rolle.

Also: Eine Ehe kann in Österreich de facto nach 6 Monaten geschieden werden, wenn sich die Ehepartner einig sind. Für eine sogenannte Verschuldensscheidung ist keine (räumliche) Tren­nung der Ehepartner vorher erforderlich und kann eine solche Klage sofort erhoben werden.